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| ++ Materialien/"Ghetto"
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Rollenbiographie "Jakob
Gens"
Szenenkonzept
für Szene 11 |
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| Rollenbiographie "Jakob Gens" |
Jakob Gens ist
der Chef der jüdischen Polizei. Er ist
für die Ordnung im Ghetto verantwortlich. Verzweifelt
versucht er, so viele Juden, wie nur irgend möglich
vor der „Schlachtbank“ des Konzentrationslagers
Ponar zu retten.
Es sind ihm hierfür alle Mittel recht,
sogar die Kollaboration mit den Nazis, mittels welcher er
sich Einfluss auf die Entscheidungsgewalt der Besatzer erhofft.
Gens gewinnt das Vertrauen des kulturliebenden Offiziers
Kittel und setzt beim Ghettorat die Gründung eines Theaters
durch.
Damit will er zum einen das Wohlwollen des sadistischen
Kittels gegenüber dem Ghetto gewinnen, zum anderen den
jüdischen Künstlern eine Arbeit verschaffen,
um deren Überleben fürs erste mittels einer Arbeitsbescheinigung
zu sichern. Außerdem sieht er in der künstlerischen
Tätigkeit einen Weg, Lebensmut zu verbreiten
und das
kulturelle jüdische Erbe aufrechtzuerhalten.
Seine Theatervision erfährt jedoch auch Widerwillen
aus den eigenen Reihen. Allen voran missbilligt Bibliothekar
Hermann Kruk sein Vorhaben. „Auf dem Friedhof darf
man kein Theater spielen."
Ähnlich den Intentionen eines Oskar Schindler, realisiert
Gens mit dem Unternehmer Weisskopf eine Werkstatt zur Ausbesserung
von Uniformen, welche weitere Arbeitsplätze schafft.
Jakob Gens gerät im Verlauf des Stückes immer wieder
in Situationen, die sein Gewissen malträtieren.
Er feilscht
mit Kittel um das Leben seiner Mitjuden, unterbreitet Vorschläge,
die möglichst viele Leben retten, opfert dafür
aber das Leben anderer, nur um einen geringeren Preis an
Menschenleben zu zahlen.
Er nimmt die Schuld der Mittäterschaft
auf sich und rechtfertigt sein Handeln damit, dass er keine
andere Wahl hatte, als einige Menschen in den Tod zu schicken.
Seine gewissenhafte Leistung, in der Zusammenarbeit mit den
Nazis, bringt ihm die Ernennung zum Leiter des Ghettos.
Gens` Blick richtet sich auf die herannahende sowjetische
Armee.
Er erstickt jedes Anzeichen von Aufsässigkeit
innerhalb des Ghettos im Keim, um jegliche Gefährdung
des Ghettos zu vermeiden, wo die Rettung doch in greifbarer
Nähe scheint.
Gens versucht stattdessen die Produktivität
des Ghettos noch zu erhöhen, um die Vernichtung hinauszuzögern
und vielleicht sogar zu umgehen.
Nachdem er der Mittäterschaft rebellierender Untergrundorganisationen
bezichtigt wird, verweigert der „Meisterschüler“ die
ihm angebotene Flucht, um nicht die Säuberung des Ghettos
zu rechtfertigen, die nun unumgänglich ist. Er avanciert
zu einem tragischen Helden, dessen Taten letztendlich verlorene
Liebesmüh waren.
Copyright © Lucas Herrmann |
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Szenenkonzept für Szene 11 aus "Ghetto"
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Raumaufteilung:
Da die Szene „Theater im Theater“ zeigt, muss der
Besucher das Gefühl haben, Teil der agierenden Zuschauer
der Aufführung zu sein.
Diesen Effekt kann man erreichen,
indem man die Schauspieler, die das Publikum darstellen, auf
einer Stuhlreihe vor den Besuchern der Aufführung platziert.
Dargestelltes und wirkliches Theater werden kombiniert, der
Zuschauer fühlt sich selbst in die Szene eingebunden.
Dann können die Schauspieler im späteren Verlauf
der Aufführung die Bühne handlungsbezogen betreten.
Es werden außerdem max. 3 Stühle an den vorderen
Seiten der Bühne (bis zu den Seitenaufgängen) platziert.
Dadurch wird der Spielraum der Bühne, wie von einem, zum
Zuschauerraum hin geöffneten, „V“ umschlossen.
Sie stellen Logen dar. So hat man Zuschauer auf verschiedenen
Ebenen und zugleich mehr Platz für die Schauspieler und
den Kinderchor auf der Bühne.
Alle Figuren des Stücks, die in dieser Szene nicht als
Schauspieler oder Chormitglieder auf der Bühne fungieren,
z.B. Gens oder die agierenden Zuschauer, betreten das Theater
durch die Eingangstür der Aula. Dies soll den Besuchern
den Eindruck vermitteln, die Aula ist der Theatersaal des Ghettos.
Bühnenraum:
Der Vorhang bleibt geschlossen bis der Kinderchor auftritt.
Die davor gespielte Improvisation sollte im vorderen Bühnenbereich
und im Zuschauerraum stattfinden. Die agierenden Zuschauer
erheben sich von ihren Stühlen, wenn sie kritisieren.
Wenn Gens den Chor ankündigt, spricht er von der Stuhlreihe
aus die Besucher direkt an. Anschließend wird der Vorhang
aufgezogen. Dabei betritt der junge Dirigent die Bühne
durch den rechten Seitenaufgang und verneigt sich schüchtern
vor dem Publikum.
Hinter dem Vorhang befindet sich der Kinderchor (max. 12 Personen),
im Halbkreis, in je 3 Gruppen a 4 Personen auf Podien stehend,
im mittleren Bereich der Bühne. Auf der Bühne verteilt
befinden sich 8 Schauspieler, auch die 4 der Improvisation.
Sie haben kriechende, kniende, liegende und an die Wand geklammerte
Haltungen eingenommen und sind in Decken gehüllt.
Sowohl Kinderchor als auch Schauspieler sind im Freeze. Die
verschiedenen
Ebenen (Podium/Boden) stellen Realität/Schauspiel dar.
Jedes der Kinder hält eine Stoffrose in der Hand, deren
Funktion im Verlauf des Spiels deutlich wird.
Die Spannung der Besucher wird gesteigert, da sie nur einen
Chor erwartet haben und sich jetzt fragen, welche Funktion
die Schauspieler haben.
Chorszenerie:
Mit dem Gesang des Chors erwachen die Schauspieler aus dem
Freeze. Sie drücken das gesungene Leid in ihren Bewegungen
und ihrer Mimik aus. Dabei schleppen sie sich in Qual, mit
schmerz- und angstverzerrten Gesichtern, über die Bühne.
Sie fallen immer wieder hin, winden sich in Schmerz, kriechen
voran, versuchen immer wieder sich zu erheben, aber schaffen
es nicht. Sie spielen den gesamten Bühnenraum aus, gehen
hinter und zwischen den Chor, welcher mit Gesicht zum Publikum,
die grausige, einem Totentanz ähnliche Szenerie, nicht
zu beachten scheint.
Während dieses „Totentanzes“ öffnet sich
hörbar die Eingangstür der Aula. Es tritt ein gesichtsloser,
in eine schwarze Kutte mit schwarzer Kapuze gehüllter,
Tod auf. Er hat einen Spaten (statt Sense), den er als Spazierstock
benutzt. Während er den linken Seitengang zur Bühne
beschreitet, bedächtig und mit gesenktem Haupt, folgt
ein Scheinwerfer seinen Bewegungen. Um den rechten Arm trägt
er eine Hakenkreuzbinde.
Als die Schauspieler ihn bemerken, flüchten sie kriechend,
immer zurückblickend mit entsetzten Gesichtern, in den
hinteren Bereich der Bühne. Dort erwarten sie, jeder für
sich, zusammengekauert den herannahenden Tod. Dieser betritt
durch den linken Seitenaufgang die Bühne. Der Chor singt
unbeachtet der Szenerie weiter, während der Tod mit langsamen,
bedächtigen Schritten zur Mitte des vorderen Bühnenbereichs
schreitet.
Mit ausholendem Arm winkt er mit dem Spaten die
verängstigten Schauspieler zu sich. Sie folgen seinem
Befehl auf allen Vieren kriechend und mit ängstlich verzerrtem
Gesicht.
Der Tod versammelt die Knienden um sich herum. Mit der Hand
berührt er einen Kopf nach dem anderen, worauf der entsprechende
Schauspieler in sich zusammensackt, bis alle acht auf einem
Haufen übereinander liegen.
Mit dem Spaten schaufelt der
Tod imaginäre Erde über sie. Danach streicht er mit
dem Spaten knapp über ihren Köpfen die Erde glatt.
Den Spaten geschultert, verläßt er mit gesenktem
Haupt und bedächtigen Schritten die Bühne in Richtung
rechter Seitenaufgang. Die dargestellte Szene stellt die Schrecken
von Ponar dar, von denen Teile des Liedes handeln.
Die Kinder lassen ihre Rosen über den Leichenhaufen fallen,
als Symbol der sowohl besungenen Trauer, als auch der aufkeimenden
Hoffnung.
Kittel betritt mit 4 SS-Leuten geräuschvoll die Aula.
Allerdings bemerkt ihn keiner der Darsteller. Er schreitet
erhobenen Hauptes den linken Seitengang zur Bühne hinab.
Zeitgleich verlässt
der Tod über den rechten Seitengang die Aula. Diese Szene
stellt dem „symbolischen Tod“ den „wirklichen
Todbringer“ gegenüber.
Kittel betrachtet das Schauspiel
vom vorderen Abschnitt des Zuschauerraums aus. Das Lied wird
beendet. Zeitgleich fragt Kittel: „Gens?“ und betritt
die Bühne über den linken Aufgang. Auf diese Weise
kommen die Besucher nicht zum Klatschen, da die Handlung übergreift,
was den Eindruck der Eingebundenheit noch einmal verstärkt.
Selektion:
Die Selektionsszene drückt Dynamik aus, wenn die Schauspieler
der vorderen Zuschauerreihe in Panik auf die Bühne stürzen.
Dieser Tempi-Wechsel steht im Gegensatz zur „ruhigen“ Darstellung
von Ponar und zeigt auch für den Besucher einen Wechsel
von Schauspiel und Wirklichkeit, ähnlich der Darstellung „wirklicher
Todbringer“ (Kittel) und „symbolischem Tod“.
Die Chorkinder werden von den Podien gezerrt (Zeichen des Sturzes),
die panischen Eltern (mit schreckverzerrten Gesichtern) werden
von den 8 Schauspielern (welche vom Boden aufgesprungen sind)
sowie von den Zuschauern dargestellt, um eine möglichst
große Anzahl von Menschen auf der Bühne zu haben.
Nur die Chorkinder werden aussortiert.
Auf der Bühne herrscht ein großes Durcheinander,
keine geregelten Gänge, sondern kreuz und quer, wie bei
unseren Aufwärmübungen. Dazu muss jede Ecke der Bühne
ausgespielt werden. Die Eltern verfluchen Gens lautstark im
Chor. Von den 4 SS-Leuten werden sie mit Pistolengewalt zusammengedrängt,
während Kittel das Geschehen mit genüßlichem
Blick von der rechten vorderen Bühnenseite betrachtet.
Während der Selektion vollzieht sich bei Gens ein Stimmungswechsel.
Unerbittlichkeit weicht totaler Aufgelöstheit (vor allem
in der Rettungsszene mit dem Jungen).
Zeitgleich wird der hintere
Vorhang aufgezogen. Zum Vorschein kommt eine riesige weiße
Leinwand, die von den Scheinwerfern angestrahlt, die Schatten
der Handlung zeigt. Das Licht der Bühne ist dabei gedimmt.
Die Eltern werden von den 4 SS-Leuten ins linke, die selektierten
Kinder ins rechte Off getrieben. Die Leinwand wird verdunkelt,
das Licht der Bühne bleibt gedimmt, Gens verläßt
mit versteinerter Miene die Bühne über den linken
Seitenaufgang. Aus dem rechten Off werden Kinderkleider auf
die Bühne geworfen. Totenstille. Licht geht ganz aus.
An dieser Stelle sollte die Pause sein, um den Besuchern Gelegenheit
zu geben, das Gesehene auf sich wirken zu lassen und Umbauarbeiten
vorzunehmen.
Ende Szenenkonzept Szene 11
Copyright © Lucas Herrmann
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