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+++ Schreibwerkstatt +++
 
...am Deutschen Schauspielhaus
In der Schreibwerkstatt "Nachwuchs.Texte" erarbeitete ich ein Theaterstück (z.Z. noch fragmentarisch), welches am 06.05.2005 im Malersaal,
in einer szenischen Lesung, präsentiert wurde.

Teil des Veranstaltungsprospektes vom Schauspielhaus
 
Ein Aufenthalt in Glastonbury, England, stand namentlich Pate für das Stück.


Nachfolgend einige Szenenanrisse aus "Glastonbury":
 
Szene:...

Ana sitzt auf dem Boden. Im Hintergrund läuft laute Rockmusik. Das Geschrei einer tosenden Menge ist zu vernehmen. Neben und hinter ihr sind zwei Zelte. Tom kommt mit einer Bierflasche in der Hand.

Tom: So ganz allein hier?

Ana: Ja...genug für heut...

Tom: Ordentlich abgegangen?

Ana: Klar...dafür sind wir ja hier oder?

Sie lacht.

Tom: Bist cool drauf!

Er zieht sein Shirt aus.

Schwitz wie n` Tier...

Sie lacht verlegen. / Schweigen.

Ana: Sind die anderen noch...

Tom: Ja wollen noch die nächste Band hören...

Schweigen.

Tom: Was dagegen wenn wir Schlafplätze tauschen? Es sei denn zwischen dir und Kelly läuft was...

Er lacht.

Ana: Nee ist ok...wenn Kelly nichts dagegen hat...

Tom: Die sagt nie nein...höchstens zum Rauchen...

Er lacht wieder.

Ach man ich liebe den Geruch von Gras...soll ich uns einen drehen?

Ana: Ok...

Schweigen.

Ana: Haut der denn rein?

Tom: Soll er das denn?

Ana: Tja...keine Ahnung...

Tom: Kelly lutscht nur Pfefferminzbonbons...

Sie lacht verlegen. / Schweigen.

Ana: Du hab sowas noch nie gemacht...

Tom: Du hast noch nie Gras geraucht? Dann wird es aber Zeit!

Ana: Mach ihn nicht ganz so stark...

Tom: Schiss?

Ana: Nee...

Tom: Wirst nicht abhängig von...

Ana: Mach ihn trotzdem nicht so stark...

Tom: Keine Panik... wird dir schon schmecken...

Er zündet den Joint an. Nimmt einen tiefen Zug.

Tom: So kann ich atmen...

Er nimmt noch einen Zug, reicht den Joint dann an Ana weiter. Sie nimmt einen vorsichtigen Zug.

Tom: Na?

Ana: Haut rein!

Sie lacht, will ihm den Joint zurückgeben.

Tom: Er schmeckt dir, dann rauch ihn auch auf.

Sie nimmt noch einen Zug. Reicht ihm wieder den Joint.


Tom: Was soll ich damit?

Ana: Ich will den nicht allein rauchen!

...

Ana: Was ist denn los? Wo sind die anderen?

Tom: Weg.

Ana: Weg?

Tom: Ja haben kein Bock mehr...

Ana: Warum denn...wo bin ich?

Tom: Liegst im Gras!

Er lacht.

Ana: Mir ist voll schlecht...

Tom: Hast ziemlich übertrieben.

Ana: Ich weiß gar nichts mehr...

Tom: Du weißt nichts mehr...nichts...

Ana: Nee...

Er lacht.

Ana: Wasn los?

Tom: Du bist ne kleine Schlampe...

Ana: Hä?

Tom: Soll ich dir mal sagen was du gemacht hast...

Er lacht.

Hast wie so ne Blöde an meinem Schwanz gelutscht.

Ana: Was?

Tom: Ich konnt alles mit dir machen...Wahnsinn...

Ana: Was?

Tom: War einfach verrückt...

Er springt auf.

Geil! Geil! War so geil!

Ana: Ey... du... du laberst doch nur scheiße...

Tom: Na los zieh dich an...

...

Szene:...

Mike hockt vor der Mauer. Er gräbt ein Loch. Ana kommt. Mike tut als wenn er sich übergebe. Sie wendet sich ab, setzt sich auf die Bank in der Haltestelle. Schnell packt er die Tüte mit den Tabletten ins Loch. Er schiebt Erde drüber. Sie dreht sich vorsichtig zu ihm um. Er lächelt. Sie wendet sich schnell wieder ab. Mike geht zurück zur Haltestelle.

Mike: Sorry...

Er hebt seinen Rucksack auf, setzt sich hin. Sie rückt schnell weg.

Mike: Hab was Falsches gegessen glaub ich...

Ana lächelt verlegen.

Mike: Naja...ist dir kalt?

Ana: Nein...

Mike: So ohne Jacke...ist doch ziemlich frisch...

Sie reagiert nicht.

Mike: Sorry...nerv dich wahrscheinlich...

Ana: Ist ok...

Mike: Hast du zufällig was gegen Magenschmerzen?

Ana: Nein...

Mike: Shit! Bringt mich noch um...

Ana holt eine Packung Kaugummis aus ihrer Tasche.

Ana: Kannst haben...

Mike: Danke man...auch eins?

Ana schüttelt den Kopf. Mike beginnt zu kauen.

Mike: Hmm Strawberry...

Schweigen.

Mike: Weißt du wo ich heut Nacht pennen könnte?

Ana: Nein...

Mike: Echt nicht? ...Kenn mich hier überhaupt nicht aus!

Ana steht auf. Geht ein paar Schritte.

Mike: Sorry...

Ana: Schon ok...

Mike: Laber dich hier voll.

Schweigen.

Mike: Komm nicht von hier! Egal...geh nur aufn Sack...

Ana: Hab Kopfschmerzen!

Mike: Vielleicht hilft ein Kaugummi...oder warte mal...
ha...hab hier son paar Kekse...shit... sind ein wenig zerbröckelt...

Sie entfernt sich noch weiter.

Mike: Weißt du echt nicht wo ich pennen könnte?

Ana: Wie wäre es im Hotel!

Mike: Hab keine Kohle dafür...

Ana: Tja ohne wirst du wohl nichts...

Er springt auf, geht auf sie zu, angewidert weicht sie ein paar Schritte zurück.

Mike: Hast du keinen Keller oder irgendwas? Nen Schuppen? Ne Garage? Bin nicht anspruchsvoll...brauch nur ein Dach überm Kopf!
Ne Hundehütte! Hast du nen Hund?

Ana: Nein...

Mike: Nein kein Hund oder nein nichts von alledem?

Ana: Nichts von alledem!

Schweigen.

Mike: Ok...ok... schade...sorry...sorry...

Ana: Ist ok...

Mike: Tja dann...joa...

Er klettert über die Mauer. Ana dreht sich um. Setzt sich dann wieder auf die Bank.


Szene:...

Mike sitzt am Empfangstisch in der Bibliothek. Brook kommt mit ein paar Büchern im Arm angehumpelt. Er knallt ein Buch nach dem anderen auf den Tisch.

Brook: Albee, Dickens, Hemingway, Williams, Beckett...

Schweigen.

Brook: Sind meiner Meinung nach fünf großartige Schriftsteller und Dramatiker.

Mike: Fi...finde ich auch Mr. Brook...
Brook: Desweiteren noch vier andere Werke, deren Autoren ich hier nicht erwähnen möchte.

Brook: Nun die Herren Schriftsteller haben alle etwas gemeinsam!

Schweigen.

Brook: Sie sind nicht nur Meister ihres Fachs...sie tragen auch eine ganz bestimmte Signatur zwischen ihren Zeilen...

Er zitiert Charles Dickens.

Brook: Hmm das Folgende ist schwer zu erkennen...hilf mir Mike...vielleicht erkennst du was da steht?
Mike: Hmm...ähmm...da...das ist...verwischt...

Brook: Ach tatsächlich?

Brook hält das Buch dicht vor seine Nase.

Brook: Ja! In der Tat! Das ist verwischt!

Mike: Hör...hören Sie...

Brook: Was denn?

Mike: Ich...

Brook: Was haben die Herren Schriftsteller, ich wiederhole, geniale Schriftsteller nun noch gemeinsam? Hmm?

Mike: Ich...ich...

Brook klappt das Buch zu.

Brook: Ich hab dich dabei gesehen Mike!

Schweigen.

Mike: Tut...tut...mir leid...

Brook: Ähhh nein! Ich will keine Entschuldigung hören. Mich würde nur wahnsinnig interessieren...warum diese Werke deinen Samen in sich tragen...na?
Schweigen.

Brook: Mike...du brauchst dich nicht genieren...ich will nur von dir hören, warum du in die Bücher dieser Bibliothek onanierst!?

Schweigen.

Brook: Gut...gut...hast du noch in andere Bücher?

Mike: J...a.

Brook: In welche?

Mike: Noch in son pa...ar andere...

Brook: Gut...ich hoffe du weißt noch in welche...du bringst die jetzt her und in der Zwischenzeit überlegst du dir ganz genau...was du mir antworten wirst! Haben wir uns verstanden?

Mike: Ja...ja...natürlich Mr. Brook...entschuldigen Sie...

Brook: Ähhh nein! Ich will keine Entschuldigung hören! Ich will nur eine Antwort! Eine präzise Antwort! Und jetzt hol mir die Bücher!

Mike stürmt in die Nische, er zittert, Bücher entgleiten seinem Griff. Er kommt schließlich mit einem Armvoll Bücher zu Brook zurück, er legt sie auf den Tisch.

Brook: Du kannst ja eine eigene Bibliothek eröffnen!

Brook zeigt Mike an Platz zu nehmen.

Brook: Nun...ich brenne auf deine Antwort!

Schweigen.

Mike: Ich...ich habe mir nichts dabei gedacht...

Brook: So? Aha! Von meiner Warte, sah das aber anders aus!

Schweigen.

Brook: Du hast geweint, wenn ich mich nicht irre! Irre ich mich?

Mike: Es ...es war befreiend!

Brook: Befreiend?

Mike: J...a...das war es...

...


Mike: Sie...sie lag auf dem Boden...mei...meine Mutter mein ich...

Brook: Was war los?

Mike: Sie war starr...starrte...auf mich starrte sie...glaub ich

Brook: War sie böse auf dich...hast du was getan?

Mike: Nein sie war nie böse auf mich...höchs...höchstens auf die Typen...

Brook nickt.

Mike: Sie wollte sich wieder tot stellen...

Brook: Tot stellen...?

Mike: Das hat sie manchmal getan...wenn sie Schmerzen hatte...

Brook: War sie krank?

Mike: Ich weiß nicht...sie nannte es jedenfalls nie so... sie sagte nur...ich stelle mich tot...mir geht es nicht so gut...

Brook: Und dann hat sie sich hingelegt?

Mike: Ja...sie nahm ihr Heilmittel und legte sich dann hin....starrte...
Brook: Ein Heilmittel?

Mike: Sie hatte eine Dose... wollt auch einmal... probieren...

Brook: Was war in der Dose?

Mike: Kapseln...

Brook: Ich verstehe...und...du hast sie dann auch genommen?

Mike: Nein..

Schweigen.

Mike: Konnt nicht schlafen...lag neben meiner Mutter auf dem Boden...aber ich... wollte mich nicht auch tot stellen...

Schweigen.

Mike: Ich hab ihr vorgelesen...Die Katze auf dem heißen Blechdach ...aber ich hab nichts verstanden...hat mich auch gar nicht interessiert eigentlich...

Mike: hab den ersten Akt gelesen...glaube dann ist sie eingeschlafen...vielleicht auch schon früher...ich weiß nicht genau...musste mich ja auf die Zeilen konzentrieren...

Brook: Hast du das oft getan? Vorgelesen?

Mike: Manchmal...musste ich...

Brook: Wer wollte das?

Mike: Jimmy!

Brook: Dein Stiefvater?

Mike: Ja...einer von denen...

Brook: Warum wollte Jimmy das?

Schweigen.

Mike: Weil...meine Mutter...nicht...nicht einen... Stott...erer wollte...

Schweigen.

Mike: J..a...das...das wollte sie nicht...
Brook: Den hat sie jetzt auch nicht mehr...

Mike: Naja...manchmal noch...

Schweigen.

Mike: Ich habe gelesen...Jimmy schrie immer „lauter Mike, sie versteht dich nicht...willst du nicht, dass sie einen tollen Jungen hat?“

Brook: Komm mal her Mike...

Mike: Er hat ihre Nixe gestreichelt!

Brook: Komm her Mike...
.............

Copyright © Lucas Herrmann

 
Lucas Herrmann
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