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+++ Szenenskizzen +++
 



Bernd,liest du schon wieder Zeitung?
Il Cavadente
 
Bernd, liest du schon wieder Zeitung?

(Auf der Mitte der Bühne steht ein Stuhl, darauf sitzt Person Nr.1 (ein Mann), die Hände auf die Knie gestützt, den Blick starr in den Zuschauerraum gerichtet, er verweilt für einen kurzen Augenblick im Freeze. Er räuspert sich.)

Person 1: Ähämm

(Er blickt ins rechte Off, räuspert sich erneut, diesmal lauter, beinahe etwas übertrieben.)

Person 1: Ähääääämmmm

(Im gleichen Moment fliegt eine zusammengerollte Zeitung aus dem rechten Off. Sie landet einen Meter vor dem Stuhl.)

Person 1: Na also!

(Mit übertrieben ärgerlicher, aufbrausender Stimme fügt er hinzu)

Person 1: Pünktlichkeit ist eine Tugend!!!

(Er ergreift die Zeitung ohne aufzustehen. Für einen Moment schaut er starr und ernst in den Zuschauerraum, dann lehnt er sich genüsslich zurück, mit entspanntem Gesichtsausdruck)

Person 1: Ahhhhhh Jaaaaa!

(In relaxter Haltung entrollt er die Zeitung und studiert gespannt die Titelseite)

(Aus dem rechten Off kommt jetzt ein Pärchen, Arm in Arm, auf die Bühne geschlendert. Sie gehen in einem weiten Halbkreis hinter dem Stuhl des Mannes zum linken Bühnenrand. Der Mann lässt von seiner Begleiterin ab, reckt seinen rechten Arm in die Höhe und winkt huldvoll in den Zuschauerraum. Seine Geste unterstreicht er mit einem übertriebenem Lächeln. Die Frau lächelt ebenfalls in den Zuschauerraum und kichert leise vor sich hin. Ihr Begleiter umfasst sie mit seinem linken Arm und küsst sie auf die Wange. Beide winken in den Zuschauerraum)

Person 1: Tztztztz, immer diese Klatschspalten!!!

(Sein Blick ist unverwandt auf die Titelseite der Zeitung gerichtet. Er blättert um. Im selben Augenblick verlässt das Pärchen, so wie es gekommen ist, die Bühne. Der Mann schaut interessiert auf die zweite Seite der Zeitung)

(Drei Männer kriechen hintereinander aus dem linken Off, bis sie etwa ein Drittel der Bühne hinter sich haben. Sie bleiben ruhig liegen.
Mit langsamen, vorsichtigen Schritten kommen in geduckter Haltung zwei Männer aus dem rechten Off. Sie haben ihre Hände zu einer imaginären Pistole geformt und halten diese vor sich. Sie schauen angespannt erst hinter sich, dann nach rechts und dann in Richtung Zuschauerraum.
Die drei Männer auf dem Boden springen auf und halten ihre Hände wie Pistolen vor sich, der Vordere der Drei schreit mit ohrenbetäubender Stimme)

Vorderer Mann: Die you bastards!!!! God bless America!!!!!!!

(Daraufhin werfen sich die beiden Männer zu Boden und eine imaginäre Schießerei bricht los.
Der lesende Mann blättert eine Seite weiter. Sofort gehen alle an der Schießerei beteiligten Personen, langsam und einander hasserfüllte Blicke zuwerfend, rückwärts in ihr „Ursprungsoff“ zurück)

(Nun kommt aus jedem der beiden Offs eine Frau. Die Frau aus dem rechten Off geht zum rechten Bühnenrand, die Frau aus dem linken Off bleibt im linken hinteren Bereich der Bühne. Die Frau am rechten Bühnenrand tippt dreimal einen imaginären Tennisball auf den Boden, hält ihn dann fest und schlägt ihn mit dem rechten Arm auf die andere Seite der Bühne. Die andere Frau reagiert sofort, stürmt los und schlägt den imaginären Tennisball ebenfalls mit dem rechten Arm wieder zurück. Es entwickelt sich ein wildes Tennismatch, wobei die beiden Kontrahentinnen mit jeweils seitlichen Sprüngen den Ball zu erreichen versuchen.
Die Frau auf der rechten Bühnenseite fällt nach mehrmaligem Schlagabtausch auf die Knie und reißt die Arme in die Höhe. Sie schreit aus sich heraus)

Tennisspielerin: Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!!

(Die beiden Frauen gehen aufeinander zu, treffen sich direkt hinter dem Stuhl des lesenden Mannes und schütteln sich die Hände.
Der Zeitungsleser blättert wieder um und schaut nun auf die Rückseite seiner Zeitung. Die beiden Frauen verschwinden wieder in ihrem jeweiligen Off.
Nun tritt aus dem linken Off eine Frau mit einem erotischen Hüftschwung. Sie geht im Kreis um den Zeitungsleser herum und bleibt hinter dem Stuhl stehen, beugt sich etwas hinunter und sagt mit besonders verführerischer Stimme)

„Heißer Feger“: Hey Süßer!!! Wenn du mich näher kennenlernen möchtest,
ruf mich doch mal an. Bitte melde dich!!! Ich bin so allein!!!!!

( Der Zeitungsleser schaut lüstern und voller Unruhe auf die Rückseite der Zeitung. Die Frau geht unterdessen im Kreis um ihn herum.
Plötzlich kommt hinter dem Vorhang eine weitere Frau heraus, die sich mit stampfenden Schritten dem lesenden Mann nähert. Sie stemmt die Hände in die Hüften und schaut für einen kurzen Moment mit strengem Blick auf den Zeitungsleser)

Resolute Frau: Beeeeeeerrrrrrrrrrrrrnnnnnnndddddddd!!!!

(Der Mann fährt erschrocken herum)

Resolute Frau: Bernd liest du etwa schon wieder Zeitung??? Während ich in
der Küche voll im Stress bin!!!! Du kommst jetzt mit und deckst den Tisch!!!!!!!!!

( Die Frau stemmt die Hände wieder in die Hüften. Der Zeitungsleser schaut sie verständnislos und genervt an. Danach verharren alle drei Personen im Freeze)

Ende
Copyright © Lucas Herrmann

 
 
Il Cavadente

Erster Akt: Der Zahnarztbesuch

(Arlecchino erscheint in weißem Kittel mit einer ledernen Tasche unter dem Arm)

Pedrolino: Ah, Arlecchino oder soll ich sagen Signore Cavadente, da sind sie
ja endlich.
(Beide lachen hämisch)

Pedrolino: Der alte Bock wartet im Haus. Sicherlich überlegt er gerade, wie er
sich vor der Zahnarztrechnung drücken kann. Denn wenn er erfährt,
dass du ihm alle Zähne ziehen musst, wird er dich bestimmt stante
pede wegjagen.

Arlecchino: Ich ziehe ihm alles, was mir vor die Finger kommt.

Pedrolino: Hast du denn auch deinen Bart nicht vergessen?

Arlecchino: Keine Sorge, hier ich bind ihn mir um. Siehst du? So. Sehe ich
schick oder schick aus?

Pedrolino: Extra schick würde ich sagen. So. Ich mache jetzt einige Besorgungen. Also sei nett zu deinem Patienten. Mach`s gut.

(Pedrolino geht pfeifend und schlendernd davon, Arlecchino prüft, ob sein Bart auch richtig sitzt und macht sich dann auf, an den Häusern vorbeiziehend)

Arlecchino: Wer hat faulige Zähne? Abgenutztes Zahnfleisch? Freche
Nerven? Oder einen schlechten Atem?

(Pantalone stürzt ans Fenster und reckt seinen Hals heraus)

Pantalone: Warten Sie Signore Cavadente! So bleiben Sie doch stehen! Ich
brauche Sie dringend!

(Pantalone springt in seine Pantoffeln und hetzt aus dem Haus)

Pantalone: Kommen Sie! Sie sind meine letzte Hoffnung. Sie müssen etwas
gegen meinen schlechten Atem tun!

(Pantalone legt den Arm um Arlecchinos Schulter und führt ihn ins Haus)

Pantalone: Es ist einfach schrecklich! Ich, der ich von den Weibern vergöttert
werde, wurde mit dem schlimmsten bestraft, was man sich nur vorstellen kann. Ich flehe sie an erretten sie mich.

(Pantalone fällt auf die Knie und zerrt an Arlecchinos Kittelzipfel)

Arlecchino: Nun ich werde sehen, was ich für Sie tun kann Signore Pantalone.
Setzen Sie sich am besten dort auf den Stuhl. Alles andere können
Sie getrost mir überlassen hähä.

(Mit einem lauten Geräusch lässt Arlecchino seine Tasche auf dem Tisch aufschlagen)

Arlecchino: Dann sagen Sie mal AAAA.

Pantalone: AAAAAAA.

Arlecchino: Oh mein Gott, einfach schrecklich, heilige Maria! Ich muss sofort
mit der Behandlung beginnen.

Pantalone: Ist es schlimm Signore Cavadente?

Arlecchino: Seien Sie jetzt tapfer. Es ist gar nicht so schlimm, ich muss nur
jeden Zahn ziehen. Alle sind faulig und madig und...

Pantalone: Was denn? Alle Zähne???

Arlecchino: Kein Grund zur Aufregung! Ich mache es kurz und schmerzvoll,
ähh schmerzlos.

(Arlecchino holt genüsslich verschiedene Werkzeuge aus seiner Tasche)

Pantalone: Was soll das denn sein? Das sieht mir ja stark nach einer Kneifzange aus.

Arlecchino: Das ist mein Baby. In der Fachsprache sagt man dazu Zahnnervzange. Ich aber nenne es schmerzmachendes Ge...

(Pantalone zittert vor Angst)

Pantalone: Ma...Machen Sie doch endlich.

(Arlecchino zieht dem Pantalone einen Zahn nach dem anderen und übertönt dessen Schmerzensschreie mit seinem schrecklichen Gesang)

Arlecchino: O dente mio... Gefällt Ihnen mein Gesang? Ich muss irgendwie
immer singen.

Pantalone: Aaoohaho!!!

(In seinem Schmerz krallt sich Pantalone an Arlecchinos falschem Bart fest)

Arlecchino: Nein, nicht meinen Bart! Der ist mir heilig und... Oh, sehen Sie
was Sie angerichtet haben!

(Pantalone hält den falschen Bart ungläubig in der Hand und start zuerst den Bart, dann Arlecchino und dann wieder den Bart an)

Arlecchino: Ich glaub, ich geh dann besser mal. Die vier Zähne gehen aufs
Haus.

(Pantalone ist durch seine Zahnbehandlung kaum zu verstehen)

Pantalone: Arläcchiino, du dräckigaa kleinaa Bastaard!

(Pantalone greift nach dem Stuhl, auf dem er eben noch gesessen hatte, schwingt diesen wie eine Streitaxt und stürmt dem flüchtenden Arlecchino hinterher)

Pantalone: Wänn üch düch kriege bist du draan!

(Beide Charaktere verschwinden im linken Seitenoff.)

Ende
Copyright © Lucas Herrmann

 
Lucas Herrmann
....watching you
 
 
 

             
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